Tigerle - Sommer 2006 - 23. Dezember 2006

Spanien,
im Sommer 2006. Eine ganz liebe, verschmuste hochschwangere
Katzenmutter, die später den Namen „Bijou“ erhielt, geriet in
ein Refugio; das ist eine spanische Tötungsstation, in der
Haustiere nur kurze Zeit überleben dürfen. Tiere, die niemand
abholt, werden grausam getötet. Der Staat zahlt ein Kopfgeld von
€ 30,00. Doch die werdende Mama hatte Glück im Unglück:
eine Tierfreundin von HzH pflegte sie sehr liebevoll und
war sehr wachsam. Es dauerte nicht lange bis zur Geburt – drei
Buben erblickten das Licht der Welt. Bijou
war sehr schwach, sie hatte keine Reserven mehr, wurde
immer dünner. Dennoch versorgte sie ihre Welpen sehr liebevoll,
rund um die Uhr. Sie nahm sogar noch einige Waisenbabys an, die
ohne ihre Hilfe gestorben wären.
Alle
Kätzchen waren lebensbedrohlich krank. Katzenschnupfen und
Hautpilz machten ihnen das Leben zur Hölle: sie konnten kaum noch
schlucken, ihre empfindlichen Äuglein waren entzündet. Die
Tierfreundin ließ die Kleinen tierärztlich behandeln, so weit
dies möglich war.
Als
die Station überfüllt war, drohte der Vergasungstod. Nun musste
die Rettung sehr schnell gehen: die Katzenfamilie wurde nach
Deutschland ausgeflogen. Endlich `raus aus dem Käfig mit der
Gewissheit, leben zu dürfen ! Bijou, Tigerle und seine vier Brüderchen
bekamen ein eigenes Zimmer. Ein kleines Fünf-Sterne-Hotel mit
bester kulinarischer Versorgung, herrlichen Kuschelplätzen und
Ausblick ins Grüne. Frischluft gab es reichlich – ein
vergittertes Fenster konnte fast immer offen stehen.
Sofort
erhielten die Samtpfötchen gut wirkende Medikamente. Sie waren völlig
erschöpft, hatten Fieber, wollten nur schlafen ......
die Babys fielen in den Tiefschlaf, während sie an Mamas
Zitzen nuckelten.
Die
„Wuselbande“ erholte sich sehr schnell und entwickelte sich prächtig.
Nach einigen Wochen zogen drei Geschwister um, sie waren
gesund. Nur Tigerle kämpfte noch mit den Folgen des Schnupfens,
fraß aber gut und war putzmunter. Die Hornhaut eines Auges war
beschädigt. Sein gestromter Bruder blieb noch einige Zeit bei
ihm, damit er einen Spielgefährten zum Raufen und Toben hatte.
Tigerles Immunabwehr wurde gestärkt, die Hornhaut seines defekten
Auges behandelt.
Katzenmutter
Bijou (vorne links), Stromerle
(vorne rechts) und Tigerle (hinten)

Bijou
versorgte ihre Kinder vorbildlich – selbstlos und liebevoll.
Trotzdem sie selber noch eine Schrotkugel in sich trug ...
Bijou
putzt Tigerle

Doch
nun war die Zeit des Abschieds gekommen. Bijou wurde von einer
ganz lieben Katzenfreundin adoptiert, Stromerle zog um zu seinen
gesunden Brüdern. Das Quartett wurde später vermittelt. Auch
Tigerle war schon versprochen – er sollte ein tolles Zuhause in
München bekommen, bei ganz
herzensguten Katzenfreunden.
Tigerle
blieb nicht alleine. Zwei deutsche Racker im Flegelalter –
Mohrle und Felix - freundeten sich mit Tigerle an.
Was für ein wunderbar harmonisches Trio ! Geschnurrt wurde
im Dreiklang.
Tigerle
und Mohrle

Es hätte so schön sein können. Die weiße Trübung auf Tigerles
Hornhaut klarte etwas auf, doch in ihm tickte ein Zeitbombe. Im
November fiel auf, dass seine Bewegungsabläufe unsicher und
schwankend wurden. Erreger, die unbemerkt in ihm ihr tödliches
Werk verrichteten, hatten die Blut-Hirn-Schranke überwunden.
Tigerle konnte seine Motorik nicht mehr koordinieren, in
zunehmendem Maße. Kein Medikament konnte diese schreckliche
Entwicklung aufhalten.
Er schaukelte, fiel häufig um, konnte nur
mit großer Kraft klettern. Felix und Mohrle waren immer an seiner
Seite, stützten ihn, wenn es erforderlich war, leiteten ihn zum
Fressnapf und zur Toilette. Beim Schlafen nahmen sie Tigerle in
die Mitte; sie hatten ihren behinderten Freund doch so lieb.
Im
Dezember kam der Tag, den ich mit Furcht entgegen sah: Tigerle
konnte sich nicht mehr fortbewegen. Er fiel sofort um, wenn er es
versuchte. Sein Rücken war starr und rund, sein ganzer Körper
verkrampft. Er wollte nicht mehr fressen. Behutsam setzte ich ihn
in eine kuschelig gepolsterte Transportkiste, streichelte ihn und
sprach ihm Mut zu. Jetzt bloß nichts anmerken lassen !
Bevor ich die Zimmertür schloss
schaute ich Mohrle und Felix in die großen, kugelrunden,
fragenden Augen ...... und fühlte mich elend und ohnmächtig.
Ein
paar Minuten später erreichten wir den Tierarzt. Nachdenklich äußerte
er, er könne Tigerle noch eine Chance geben: er war bereit, dem
schwerkranken Katerchen in seiner Familie eine optimale Betreuung
zu bieten. Sofort willigte ich ein.
Tage
der Ungewissheit vergingen. Ich erfuhr, dass sich Tigerle mit
Leckereien verwöhnen ließ und aufbaute. Keine Entwarnung, aber
ein kleiner Hoffnungsschimmer. Die Tierarztfamilie hatte das
zarte, kleine Wesen ins Herz geschlossen; alles drehte sich nur
noch um ihn.
Doch
der kleine Sonnenschein sollte die Weihnachtstage nicht mehr
erleben. Am 23. Dezember krampfte er, der Tierarzt musste ihn erlösen.
Viele
Tränen trauernder Menschen wurden vergossen.
Felix
und Mohrle rührten vier Tage lang kein Futter an und spielten
nicht mehr, als ich ohne Tigerle heimkam.
Tigerle
lebte zu kurz, um sein Zuhause in München kennen zu lernen.
Vergossenes
Leben – warum ?
  
Das letzte Foto
Wir denken immer an Dich und Dein wundervolles zartes Wesen.
Auch in unseren Herzen hast Du Deinen festen Platz und wirst ihn
immer haben.
So sehr haben wir alle auf die glückliche Nachricht
gewartet, sie so sehr erhofft ...
Deine Pflegemama Wigmut, Familie Dr. Detzler, Canan, Doris, Dagmar
und alle Menschen und Freunde von HzH
werden das sanfte Leuchten das Du uns von Deinem Stern sendest
in ihren Herzen fühlen und Dir liebevolle Gedanken zurücksenden
...
Auf
Wiedersehen
kleines
Tigerle
- kleiner leuchtender Stern 
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